ADHS

ADHS verstehen

ADHS wird häufig mit Folgendem gleichgesetzt:

  • Unruhe
  • Impulsivität
  • Mangelnder Konzentration

Dieses Bild greift zu kurz. Manche Menschen wirken:

  • Ruhig
  • Angepasst
  • Leistungsstark

Nach außen funktionieren sie, während sie innerlich aber viel Kraft aufbringen, ihre Aufmerksamkeit zu lenken, Handlungen zu organisieren und Erwartungen zu erfüllen.

Aufmerksamkeit funktioniert anders

Wie sich ADHS zeigt, hängt ab von:

  • Person
  • Alter
  • Lebensbedingungen
  • Jeweiligen Anforderungen

Aufmerksamkeit fehlt bei ADHS nicht grundsätzlich. Sie lässt sich jedoch schwerer steuern.

Während Routinen oder wenig interessante Aufgaben rasch überfordern können, ist bei hoher persönlicher Bedeutung eine intensive Konzentration bis hin zum Hyperfokus möglich.

Schwierigkeiten zeigen sich unter anderem bei:

  • Handlungsplanung
  • Zeiteinschätzung
  • Reizverarbeitung
  • Wechsel zwischen Aufgaben

Wie stark sie ausgeprägt sind, hängt von der Person und den jeweiligen Anforderungen ab. Gleichzeitig sind intensive Konzentrationsphasen möglich, wenn etwas interessant, neu oder emotional bedeutsam ist. Ein solcher Hyperfokus widerspricht einer ADHS nicht. Er macht vielmehr sichtbar, dass Aufmerksamkeit nicht grundsätzlich fehlt, sondern anders gesteuert wird.

Wenn ADHS lange unbemerkt bleibt

Besonders häufig wird ADHS übersehen, wenn Menschen früh gelernt haben, ihre Schwierigkeiten auszugleichen. 

Perfektionismus, übermäßige Vorbereitung, Selbstkontrolle und die Orientierung an anderen können Schwierigkeiten lange verdecken. Gute schulische Leistungen, ein Studium oder beruflicher Erfolg schließen ADHS nicht aus. Intelligenz und Begabung helfen beim Kompensieren, verhindern jedoch keine innere Erschöpfung.

Diagnostik braucht den gesamten Menschen

Nicht jedes Vergessen, Aufschieben oder Abschweifen bedeutet ADHS. Ebenso lässt sich die Diagnose nicht aus einem einzelnen Testergebnis ableiten. Eine unauffällige Leistung in einer strukturierten Untersuchung schließt sie nicht aus.

Ähnliche Schwierigkeiten können auch bei Autismus, psychischen Belastungen, Schlafproblemen oder anderen Bedingungen auftreten. Eine sorgfältige Diagnostik berücksichtigt deshalb die Entwicklung, den Lebenskontext und die individuelle Bedeutung der Auffälligkeiten.

AuDHS-Diagnostik

Autismus und ADHS können gemeinsam auftreten. Dabei entstehen nicht einfach zwei voneinander getrennte Erscheinungsbilder. Hier treffen möglicherweise das Bedürfnis nach Abwechslung und neuen Reizen auf den Wunsch nach Vorhersehbarkeit, Struktur und Verlässlichkeit. Solche scheinbaren Widersprüche gehören zum individuellen Erleben und müssen als Ganzes verstanden werden.

Autistische und ADHS-bezogene Besonderheiten können sich:

*gegenseitig beeinflussen

*verstärken

*überdecken

Bei CAPLESS werden deshalb autistische Merkmale, Aufmerksamkeit und kognitive Leistungsfähigkeit, Entwicklungsanamnese sowie Verhaltensweisen in unterschiedlichen Lebensbereichen gemeinsam betrachtet. Auch Masking, Kompensationsstrategien und scheinbar widersprüchliche Verhaltensweisen werden in die diagnostische Einschätzung einbezogen.

Ziel der AuDHS-Diagnostik ist es, nicht nur einzelne Symptome zu erfassen, sondern zu verstehen, wie Autismus und ADHS im individuellen Erleben und Verhalten zusammenspielen.

Verstehen verändert

Eine Diagnose soll keinen Menschen auf eine Störung reduzieren. Sie kann verständlich machen, weshalb manches trotz großer Bemühungen schwerfällt und welche Bedingungen tatsächlich unterstützen. Aus vermeintlicher Unzuverlässigkeit wird ein anderer Umgang mit Aufmerksamkeit und Selbststeuerung. Aus fehlender Disziplin wird ein verständliches Muster. Aus Selbstkritik kann Klarheit entstehen.

Bei CAPLESS steht deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt, was mit einem Menschen nicht stimmt. Entscheidend ist, wie er wahrnimmt, denkt, fühlt und handelt. Denn Veränderung beginnt nicht mit einer vorschnellen Bewertung, sondern mit Verstehen.

Wo Unterschiede Bedeutung bekommen!