ADHS-Diagnostik bei Kindern und Jugendlichen
ADHS zeigt sich nicht bei jedem Kind gleich. Während bei manchen Unruhe, Impulsivität oder Konzentrationsschwierigkeiten deutlich erkennbar sind, wirken andere verträumt, langsam oder besonders angepasst. Gute schulische Leistungen oder hohe kognitive Fähigkeiten schließen ADHS nicht aus.
Eine fundierte Diagnostik betrachtet deshalb das Zusammenspiel von Aufmerksamkeit, kognitiver Leistungsfähigkeit, Verhalten und bisheriger Entwicklung.
Aufmerksamkeit differenziert untersuchen
Konzentrationsschwierigkeiten allein bedeuten noch nicht ADHS. Untersucht werden unter anderem Aufmerksamkeitssteuerung, Konzentrationsleistung, Reaktionsgeschwindigkeit, Impulskontrolle und Schwankungen der Aufmerksamkeit. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Testwert, sondern das Muster der Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Verhalten im Alltag.
Kognitive Stärken und Herausforderungen erkennen
Die Untersuchung der kognitiven Leistungsfähigkeit ermöglicht einen differenzierten Blick auf individuelle Stärken und Herausforderungen. Erfasst werden beispielsweise sprachliche und schlussfolgernde Fähigkeiten, Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie Arbeitsgedächtnis.
Gerade bei ADHS können diese Bereiche unterschiedlich ausgeprägt sein. Schwierigkeiten können etwa darin bestehen, Informationen kurzfristig verfügbar zu halten, Arbeitsschritte zu organisieren oder Leistungen unter Zeitdruck effizient abzurufen.

Die Entwicklung mitdenken
Die Entwicklungsanamnese ergänzt die aktuellen Untersuchungsergebnisse. Dabei wird betrachtet, wie sich Aufmerksamkeit, Aktivitätsregulation, Impulskontrolle und Organisation im Laufe der Entwicklung gezeigt haben. Informationen aus Familie, Kindergarten oder Schule helfen, Unterschiede zwischen verschiedenen Lebensbereichen zu erkennen.
Unterschiedliche Erscheinungsformen berücksichtigen
Nicht jedes Kind mit ADHS ist laut oder ständig in Bewegung. Manche zeigen vorwiegend Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeitssteuerung, andere arbeiten langsam und stark kontrolliert oder können sich bei interessanten Tätigkeiten außergewöhnlich intensiv konzentrieren. Besonders bei Mädchen, leistungsorientierten oder kognitiv leistungsstarken Kindern können Schwierigkeiten lange kompensiert werden.
Eine sorgfältige klinisch-psychologische Diagnostik führt deshalb Testergebnisse, Entwicklungsanamnese, Verhaltensbeobachtung und Informationen aus dem Alltag zusammen. So entsteht nicht nur eine Antwort auf die Frage, ob ADHS vorliegt, sondern ein differenziertes Bild der individuellen Stärken, Herausforderungen und des tatsächlichen Unterstützungsbedarfs.

